Find TT at:





TT abonnieren

Sie sind nicht angemeldet.

Dieses weblog durchsuchen

 



TT wird durch das >>>> deutsche literatur archiv Marbach archiviert und der Öffentlichkeit auch andernorts im Rahmen von Lesungen und Ausstellungen zugänglich gemacht.

Aktuelle Beiträge

Eis
Einer meiner Patienten beschfiebt das mit dem Eiswasser; er ist drin, und...
Semioticghosts - 29. Januar, 23:27
@Walhalladada
Und einer treibt seinen Schabernack in der Ruhmeshalle ; )
phyllis - 29. Januar, 22:54
Die eine gewinnt Land,...
Die eine gewinnt Land, der andere zieht Leine;)
walhalladada - 29. Januar, 20:24
Aus den battlefields,
lieber Norbert, sind heute die battles in den Castingshows geworden, und...
phyllis - 29. Januar, 20:01
@Schneck
Verstecken ist okay, ich würd' niemandem das Einbuddeln verwehren...
phyllis - 29. Januar, 17:16
Bei Ihrer Überschrift
fiel mir sofort der altgediente Spruch "life is a battlefield" ein, und...
Norbert W. Schlinkert - 29. Januar, 15:47
Ich finde das ganz wunderbar...
Ich finde das ganz wunderbar hier, liebe Phyllis. Was soll man sich verstecken,...
schneck08 - 29. Januar, 15:06
@Joe/Lobster
Sie, scheint mir, wollen nicht verstanden werden. Ich schon.
phyllis - 29. Januar, 14:29
@Parallalie
Ich überlegte eine Weile und fand dann, dass Kieksen den allerletzten...
phyllis - 29. Januar, 14:24
Liebe Weberin,
wenn das von einer Frau kommt, die auch selbst ihre dunklen Seiten zeigen...
phyllis - 29. Januar, 11:55
Ich habe nicht viel gesagt...
Ich habe nicht viel gesagt hier auf TT in diesem Jahr, aber jetzt sage...
Weberin - 29. Januar, 11:29
Landgewinn
Hoffentlich hab' ich Sie nicht zu sehr strapaziert...
phyllis - 29. Januar, 11:20
also ich finde schon...
also ich finde schon dass etwas sehr mehr sein muss als "über kieksigenwassern...
joe (Gast) - 29. Januar, 01:17
die schönste schnattert. dragan...
die schönste schnattert. dragan redete scheisse. nicht gut. scheiss...
joe (Gast) - 29. Januar, 01:05
"Ich lausche einem einzelnen...
"Ich lausche einem einzelnen Wort, dann einem zweiten - fernes Kieksen...
parallalie - 29. Januar, 01:02
maybe like gossip. i...
maybe like gossip. i do later on,
joe (Gast) - 29. Januar, 01:01
Ja.
Ja.
phyllis - 28. Januar, 23:39
Das ist ein schwerer...
Das ist ein schwerer Text, Phyllis. Tonnenschwer kniet er auf der Brust.
Kienspan - 28. Januar, 21:07
Das mit dem Bürzel
war mir doch glatt entfallen. Diese lustige Bewegung erinnern, mit der...
phyllis - 28. Januar, 12:37
Aha, sind auch Sie nicht...
Aha, sind auch Sie nicht verbiegbar genug, um mühelos an den Bürzel...
schreiben wie atmen - 28. Januar, 12:28


Archiv

Januar 2012
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 1 
 5 
 6 
 7 
10
18
23
27
30
31
 
 
 
 
 
 
 

Status

Online seit 1880 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 29. Januar, 23:27

Landgewinn

Hoffentlich hab' ich Sie nicht zu sehr strapaziert mit meinem gestrigen Text, geschätzte Leser:innen. Nur wenige sind im Januar so richtig in Hochstimmung, da wird man ungern auch noch in fremdes Eiswasser getaucht. Sorry. Aber dies ist nun mal ein Künstlerinnentagebuch - und da es eines sein und bleiben soll, will ich hier Abgründe nicht so überspielen, wie ich das im täglichen Leben tu'. Sie wahrscheinlich auch. Man reißt sich halt am Riemen. (Ziemlich krasser Ausdruck, wenn man's recht bedenkt, oder?)

Ich habe eine kluge, humorvolle, selbstbewusste Achzehnjährige als Assistentin für mein neues Schreibprojekt >>> »Freestyle« im Weltkulturen Museum angeheuert: Sie wird die Facebook-Seite für das Projekt erstellen und betreuen. Gestern schrieb sie, sie würde gerne von dort hierher verlinken, denn TT sage sehr viel über mich aus.
Ich stutzte kurz und dachte darüber nach, ob die Themen, auch die mitunter harten Beiträge dieses Weblogs keine Zumutung für junge Leute darstellen. Mir ist aber bewusst, wie viele meiner früheren Seminarteilnehmer:innen hier mitlesen. Manchmal begegne ich ihnen bei Veranstaltungen wieder - und nicht selten erwähnen sie dann TT und wie gut es ihnen gefällt. Viele der Jungen schätzen es, wenn man die Hunnen reiten lässt. Sie sind noch nicht so "aufgestellt", die Mechanismen der Verdrängung sind ihnen noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Schon wieder so ein Ausdruck, der einen frösteln lassen könnte, wenn man es zuließe...
was ich heute nicht tu'.
Nee.
Heute nicht.

Schönen Sonntag, allerseits!

Miss TT


Aktuell: TTagesjournal
178 reads

Leistungsbreit oder: die sieben Köpfe der Hydra

Die Enten sind nicht eingefettet und sinken. Die schönste unter ihnen versucht noch eine Warnung zu schnattern: Heraus kommt ein leises Quiquib, dann geht sie als Letzte unter. Sie hat dem fremden Rezept vertraut und Doktor Druck hat sie gekillt. (Kein Wunder - er ist ein Profi)
Fragen Sie mich, was mein Fetisch ist. Fragen Sie mich, ob Leistung und Wettbewerb mein Fetisch sind. Fragen Sie mich, ob ich noch schreiben kann, ohne mir bewusst zu sein, dass meine Sätze gewogen werden. Dr. Druck sagt, ich solle mich nicht so anstellen. (Wie alt diese Aufforderung ist! Wann hörte ich sie zum ersten Mal? Mit vier? Oder fünf?)
Meine Sprecher, die alles zur Challenge erklären, regieren über Nerven, die lange schon eingeklemmt sind: Kleine elektrische Entladungen fegen die Bahnen entlang, bis irgendwann alles taub ist und nichts mehr schmerzt und niemand mehr etwas fühlt. Hauptsache, wir kommen über die Ziellinie.
Noch fühle ich. Doch es gibt Kompression, und die ersten Ermüdungserscheinungen. "Nie unter Druck, da immer unter Druck." Tatsächlich? Man gewöhnt sich an die Ausnahmezustände. Und Doktor Druck stellt immer neue Rezepte aus, ein rasender Einpeitscher, ein unnachgiebiger Beobachter, ein schlanker Geselle. Er ist high vom Gelingen: Ich nenn' es leistungsbreit. Trauen Sie seinen Methoden - sonst müssten Sie ja eigene erfinden.
Reden wir mal nicht um den heißen Brie. Jetzt. (Brei, for gods sake)
Erster Sprecher: "Sie soll es jetzt sagen oder für immer schweigen."
Chor: "Wer von uns?"
Erster Sprecher: "Sanssourir. Die lügt nie. C'est elle qui embrasse la douleur."
Ich: "- Bist du da, Sanssourir?"
Sie: "Geh zu Farah, ich kann gerade nicht."
Doch die schläft. (Erster Sprecher: "Farah schläft viel zu gerne!") Ich muss mir eine ausdauernde und unerschrockene Kämpferin erfinden: Eine eingefettete Ente. Sanssourir ist ungeeignet, weil schwermütig, Farah zieht ihren Käfig der Arena vor und ich bin alleweil zu beschäftigt mit Kartographie: pflanze die Grenzsteine, die hinter meinem Rücken wieder im Treibsand verschwinden. Doch ins Paradies kommt nur, wer sich reckt. Davor: die Parade der Heldentaten. (Oder sind es doch die Bescheidenen, die belohnt werden?
Lieber Gott, mach mich krumm, dass ich in den Himmel kumm.)
Eine Kämpferin zu erfinden. Eine, der im Eiswasser nicht kalt wird. Die nicht kapituliert. Eine ohne Achphyllisferse. Eine, die die Künstlerin beschützt, weil keine der anderen die Künstlerin beschützt. (Im Gegenteil) Eine, die ihre eigenen Rezepte ausstellt und zum Teufel mit Dr. Druck - eine mit Rückgrad. Die immun gegen die siebenköpfige Scheißdepression ist, und falls sie ihr doch wieder mal anheim fällt, ignoriert sie die Konsequenzen. Die anderen versuchen ja immer nur, ihr die Köpfe abzuschlagen.
Erster Sprecher: "Wo bleibt die Kohärenz? Und das Identifikationspotential für die Leser?"
Zweiter Sprecher: "Leser:innen! Sie hat's noch nicht ganz im Griff. Abwarten."
Erster Sprecher: "Sie soll Pillen nehmen, sie hält dem Druck nicht stand; sie wird sich auflösen. Sollen wir dabei zusehen?"
Zweiter Sprecher: "Sie wird sich nicht auflösen. Nur ihre Kunst."
Erster Sprecher: " Können wir auf die verzichten?"
Zweiter Sprecher: "Wenn's dem Überleben dient..."
Erster Sprecher: "Überleben ist nicht alles: Wirken ist alles."
Die Kämpferin schweigt dazu. Sie ist längst da, alle sind längst da, aber manche noch nicht geboren, weil namenlos.
Ich seh' den Fingern beim Schreiben zu. Bestandsaufnahme: Meine einzige verlässliche Qualität ist das Abtauchen und dort überleben können. Ich lausche einem einzelnen Wort, dann einem zweiten - fernes Kieksen über den Wassern. Ich bin für's Einfetten nicht vorgesehen, meine Haut ist blank, meine Haut ist Kunst: Porös. Ich saufe regelmäßig ab und schreibe unten weiter. Sieben Bojen markieren die Stelle, unter der ich zu finden bin.


Beste Texte: Gewebeproben
215 reads

[...]

Sie findet den Ausgang nicht; der Nachtfalter versperrt ihr die Sicht.
Sie wartet, bis er sich die Flügel wundgeschlagen hat und landen muss.


Aktuell: TTagesjournal
232 reads

Showtime (Level III)




.


Atelier: Zeichnungen
204 reads

Doin' some heavy thinkin'






Why don't you help yourself with the drinks until I'm back in the studio : )


Atelier: Skizzenbuch
280 reads

Franz Kafka / Der Prozess

„Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte wurde er eines Morgens verhaftet.“

„Der Prozeß“, Erstausgabe: Verlag die Schmiede, Berlin 1925

Zugetragen von Dr. NO


Erste Sätze: Romananfänge.
298 reads

Wie die Faust auf's Auge...




... zum Thema Selbstdarstellung/Stilisierung passte gestern Abend >>> "A man within", ein Porträt zu William Burroughs. Guter Film. Lange her, dass ich "Naked Lunch" las. Muss nachher mal nachsehen, wie der erste Satz heißt - das Buch gehört eigentlich in die "Erste Sätze" Rubrik. Von wegen Prägungen ...
Sie haben sicher mitbekommen, dass ANH gerade eine sehr schöne, leidenschaftliche Reihe unter diesem Titel >>> schreibt.. Ich hätte ja ebenfalls Lust auf so einen Blick zurück - das Problem ist nur, mit dem (für mich) phänomenal anmutenden Gedächtnis des Herrn Herbst kann meines nicht mithalten; ich müsste vieles erst noch einmal lesen, um wieder reinzukommen und darüber schreiben zu können.
Anyway - Burroughs als Figur kam mir noch nie nah, ich kam auch mit seiner Cut-up-Technik nicht klar, doch als Kunststudentin starrte ich auf "Naked Lunch" wie auf eine Botschaft aus einer Parallelwelt. Was sie ja auch war. Und sie ließ mich nicht unberührt.
Sätze wie:
“Every man has inside himself a parasitic being who is acting not at all to his advantage.”
oder:
“Artists to my mind are the real architects of change, and not the political legislators who implement change after the fact.”
oder der hier:
“Nothing exists until or unless it is observed. An artist is making something exist by observing it. And his hope for other people is that they will also make it exist by observing it. I call it 'creative observation.' Creative viewing.”

Vieles an Burroughs ist ziemlich rough. Sein Waffentick. Seine Unnahbarkeit. Seine strikte Weigerung, Geschlechtspartner zu wählen, die er auch intellektuell hätte ernst nehmen können. Die Egomanie: Seine Empfindsamkeit kam offenbar nur seiner Kunst und seinen Katzen zugute. Aber ich mag seinen Style und seine Fresse. Die er als Greis anscheinend so gerne in die Kameras hielt, als wäre er stolz auf dieses Ding, das aussieht, als hätte Hrdlicka es geschnitzt.
Wie weit muss einer als Künstler gehen, um in Bereiche vorzudringen, die noch nie kartographiert wurden? Burroughs ist sehr weit gegangen.

“In my writing I am acting as a map maker, an explorer of psychic areas . . . a cosmonaut of inner space, and I see no point in exploring areas that have already been thoroughly surveyed.”


14:25
Bisher hat sich noch niemand beschwert, dass ich Herrn Burroughs nur ein Ohr gezeichnet habe. ; )


Aktuell: TTagesjournal
253 reads

Offline




Ich nehme das Selbstdarstellungs-Thema heute ins Offline mit - mal sehen, was die Freunde dazu sagen. Melde mich morgen wieder...
Schönes Sams, allerseits! : )

Miss TT


Aktuell: TTagesjournal
201 reads

Dominae

"Sie sind eine starke Frau, sagen Leute zumir, wenn sie mir was Freundliches sagen wollen. Das ist nämlich ein Kompliment: Sie sind stark. Sie sind kämpferisch. Sie können sich durchsetzen.
Ich will aber gar keine starke Frau sein. Ich will keine starke Frau sein müssen. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Ich würde auch als Mann nicht dazu verdonnert werden wollen, ein starker Mann zu sein."

[...]

Das schreibt die Autorin Elfriede Hammerl am 14. Januar in einem >>> Artikel, den sie mit:
"An sich glauben! Keine Selbstzweifel! Kein Unrechtsbewusstsein! Ein Tugendenkatalog" betitelt hat. (Merci, Kienspan, für den ursprünglichen Link)

Lesen Sie doch mal den vollständigen Text, falls Sie's noch nicht getan haben. Da stehen noch andere vollkommene Dinge drin wie:

[...]"Wünsche ich meiner Tochter eine Karriere? Nicht, wenn damit ständiges Konkurrierenmüssen, Übertrumpfen, Auftrumpfen, Siegen, das atemlose und rücksichtslose Hin­aufklettern auf einer Hierarchieleiter gemeint ist. Was ich ihr wünsche, ist ein Berufsleben, das ihr Freude macht, das ihr sinnvoll erscheint und von dessen Ertrag sie gut leben kann. Aber wie groß sind die Chancen auf ein solches Berufsleben in einer Gesellschaft, die schamlose Selbstüberhöhung, hemmungslose Selbstvermarktung und erbarmungslosen Egoismus zu angesagten Qualifikationen erklärt? "[...]

Anruf meiner Mutter: Sie sei Kienspans Link gefolgt. Die Passage mit der Tochter habe ihr besonders gut gefallen.
"Für das schwach sein dürfen stehst Du doch auch ein."
"Ja."
Ich unterschreibe Hammerls Text. Ebenso wie die meisten von Sibylle Berg, geht mir eben durch den Kopf, obwohl die das Ganze wahrscheinlich schneidender und mit harter Ironie formulieren würde, bei ähnlichen Aussagen. Mit dem Thema mehr auftrumpfen würde. Hammerl tut das nicht.

Beide Frauen sind klug, sehen gut aus, sind blond, artikuliert und sehr schlank. Um sich einen Platz als öffentliche Personen zu erobern, brauchten sie wahrscheinlich auch einen gesunden Egoismus im Gepäck, ein Talent zur Selbstvermarktung und die Fähigkeit, sich anderen gegenüber durchzusetzen: Sie m ü s s e n ganz einfach viele jener Eigenschaften besitzen, die sie an anderen beklagen, sonst wären sie wohl gar nicht erst hingekommen, wo sie jetzt sind. Dass beide dazu noch anziehend aussehen, hilft vielleicht. Nein, hilft ganz sicher.
Egal. Nein, nicht egal, aber völlig in Ordnung. So können sie für diejenigen mitsprechen, die im Hintergrund bleiben wollen. Oder müssen, weil ihnen die Worte fehlen. Öffentlich präsente Frauen können dem gängigen Selbstvermarktungsdiktat die Vorstellung von Solidarität und Gerechtigkeit entgegenhalten - zwei Begriffe, die, wie Hammerl schreibt, inzwischen zum "Loser-Vokabular" gehören.

Eben kommt mir das Wort "unscheinbar" in den Sinn: dass es ja eine doppelte Bedeutung hat. Erstens die, äußerlich unauffällig zu sein. Doch aber auch die, nicht "scheinbar" zu sein: Also wahrhaftig.
Die Unscheinbaren wären also wahrhaftig(er)?

Ich taste mich vor. Zur Bescheidenheit. Um Sprachrohr - sagen wir lieber Repräsentantin - für andere, weniger artikulierte Menschen zu werden, muss eine die Früchte ihrer eigenen Wahrnehmung erstmal als gültig ansehen. Sie dann ernten und einen relevanten Teil davon wieder als Saatgut verwenden. Ohne Hartnäckigkeit und eine Portion Selbstüberschätzung wird das nicht passieren, wird sie sich gar nicht erst anmaßen, für andere mitsprechen zu können.
Bescheidene Leute halten sich meist im Hintergrund. Werden gerne auch überhört, falls sie sich doch zu Wort melden. Weil sie untrainiert sind, die eigenen Vorstellungen öffentlichkeitswirksam rüberzubringen. Dabei wirkt Bescheidensein oft sehr anziehend. Um diese aber außerhalb privater Kreise propagieren zu können, muss erstmal ganz unbescheiden Revier erobert werden. Ich frag' mich gerade, ob es dazu einer bestimmten Selbststilisierung bedarf. Ob dazu ein Sich-Aufschwingen nötig ist. Wenn ich mir Frau Hammerl und Frau Berg so betrachte, könnte das stimmen. Beide wirken in ihrer Selbstdarstellung wie erfolgreiche Frauen - die genau jene Merkmale an sich betonen, die als Attribute des Erfolgs gelesen werden. Sie zeigen sich.

Hammerls Artikel endet mit den Worten:
"Man muss sich eben gut verkaufen! Muss man? An wen? Ich bin dafür, dass wir uns behalten."

Ich möchte weiter darüber nachdenken, wie wir uns behalten können.


Aktuell: TTagesjournal
640 reads

Schreibfischkram





Meine derzeitigen Frühstücksgewohnheiten lassen nichts zu wünschen übrig... ; )

(Melde mich später wieder.)


Aktuell: TTagesjournal
270 reads

Rascheleis

Ich bin Homechiller sagte gestern eine junge Frau in meinem Workshop. Ein Begriff, der mir sofort gefiel, insbesondere, als er mit einem Lächeln vorgetragen wurde. Es war leider kein echtes: Im Laufe des Vormittags bemerkte ich, dass unser Tisch in zwei Lager gespalten war. Die weniger chilligen Teilnehmerinnen saßen alle links, die Coolen alle rechts.
Es dauert nicht lange, um zu spüren, welche Individuen in einer Gruppe von den Coolen abgedrängt werden: Sie tragen die Pein im Gesicht. Es ist, als müssten sie ständig durch Rascheleis schwimmen. Mit diesem unheimlichen Wort erwachte ich heute Morgen. Früh übt sich, was ein Ausgrenzer werden will. Oder eine Ausgrenzerin: auch Frauen können das ganz hervorragend.

Ich muss los.

Sorry, dass ich noch nicht auf Ihre Kommentare der letzten Tage reagiert habe - ich hole das nach!

17:54
So. Heute lief alles ganz anders. Was damit begann, dass ich mich ins schwarze Kostüm schmiss morgens, anstelle der Jeans von gestern. Ich hatte so einen Verdacht. Manche Gruppen von Jugendlichen schätzen die selbstverständlich angebotene Augenhöhe mit der Dozentin, andere möchten dafür was tun: Es soll einen Unterschied geben. Eine Distanz, gegen die sie sich abgrenzen können. Sollen die sich doch lieber an mir abarbeiten, als an denen von der linken Tischseite, dachte ich.
Erschien also kostümiert und ein bißchen ernst.
Guter Start.
Ich verlor kein Wort mehr zu den gestrigen Spannungen, das hatte ich gestern schon. Warum die Außenseiter etikettieren? Stattdessen fragte ich die Gruppe, was das Schreiben für sie bewirken könnte. Was sich denn in ihrem Leben verändern würde: wenn sie sich schriftlich besser ausdrücken könnten. Ich erzählte auch was von mir, aber nicht viel, hörte mehr zu. Von vielen kam erstmal nichts. Dann häufelten wir die ersten Statements auf den Tisch. Manche lachte ich ein bißchen aus. Im Ernst? fragte ich. Und d a s genügt Dir? Sprach jede Teilnehmerin mit Namen an. Fragte, was wäre, wenn Ihr so gut schreiben könntet wie Ihr ausseht?
Dafür gab's die ersten Lacher.
Ich sagte, heute werde ich euch fordern, das gestern war Kinderkram.
Ich sagte, ich werde nachher mit jeder von Euch ihren Text einzeln durchgehen. Ich setz' mich da drüben hin, und was wir besprechen, geht sonst niemanden etwas an.
Ich sagte, jeder kann, niemand muss.
Die haben heute richtig gut gearbeitet. Irgendwie haben sie bemerkt, dass meine Ansagen keine Tricks waren, sondern ein Angebot für ein Workout. Training ist cool.

Eine Nigerianerin von der linken Tischseite hatte einen tollen Text geschrieben, las ihn aber so vor, als hätte ihr jemand die Blutbahnen eingefroren.
Versteh' ich nicht, sagte eine von der rechten hinterher.
Seid ihr einverstanden, dass ich das nochmal vortrage, fragte ich.
Alle bis auf eine sagten: ja.
Ich las das Ding, als wäre es ein Rap-Text; die jungen Frauen hingen mir an den Lippen. Wow, sagten sie hinterher zur Nigerianerin, klasse Text. Die war ganz knülle vor Stolz. Respekt, sagte ich. Du wirkst aber nicht wie eine Deutsche, sagte die Nigerianerin später.
Die anderen spitzten die Ohren: Echt? Du bist Deutsche? Nee. Echt. Hätten wir nie gedacht.
Bei der Tunesierin, die nie den Mund aufmachte, stellte sich heraus, die spricht fließend Englisch und langweilt sich einfach. In der Pause rauchten wir eine.
The girls in your class think you're a bit slow, right? fragte ich. Just because you refuse to learn German.
Yes. Sie lächelte.
Aren't you bothered? fragte ich. They underestimate you. You cope with that?
I couldn't care less, erwiderte sie.
Ich ließ das so stehen. Eh klar, was daran nicht stimmte - wusste sie selbst.
How about some training? fragte ich. Just to keep your brain busy. Use me -I'm a trainer. I'll speak english with you from now on. But try to do a bit of german writing, 'kay?
'kay.

So weit erstmal. Ich erzähle Ihnen das übrigens nicht, um mich wichtig zu machen, sondern weil es nicht soo viele Schnittstellen gibt zwischen dem Alltag dieser Schülerinnen und anderen Lebenswelten - und ich eine davon bin. (And I'm rather passionate about it ; )


Aktuell: TTagesjournal
452 reads

Besucher

About this weblog
Aktuell: TTagesjournal
Atelier: Skizzenbuch
Atelier: Zeichnungen
Beste Texte: Gewebeproben
Die Sprache der Anderen
Die zehn Erlaubnisse
Episoden: Flirt du jour
Erste Sätze: Romananfänge.
Farah Days Notizen
Galerie: Einmal geübt, schon gekonnt
Galerie: Freistil-Enklaven
GebrauchsGedichte
Gespräche über Kunst
Handmade Mimics
Handmade pics for web communication
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren