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Gleise und Achsen
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@LO
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phyllis - 23. September, 18:53
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....aus der Tüte. ;-)
Lo - 22. September, 09:31
@DerDilettant
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phyllis - 21. September, 15:11
"Ich bin noch da!" -...
"Ich bin noch da!" - wie schön! (Es gibt doch da diese Legende vom...
derdilettant - 21. September, 12:28
Feinkost
Am Sonntag mein Kreuzchen werde ich wohl mit Tusche...
phyllis - 21. September, 09:06
Das
...war auch meine Absicht, liebe Phyllis :-)
Lo - 30. August, 23:41
Korrrea
phyllis - 30. August, 12:20
Eben
... hab' ich aber wirklich schallend lachen müssen, lieber Herr Lo!
phyllis - 29. August, 15:25
Bei den...
... hohen Mietpreisen dort bleibt eben kein Geld mehr für Kleidung...
Lo - 29. August, 10:48
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phyllis - 24. August, 06:54
(((((Ob ich
irgendwann auch mal wieder jemanden von vorne male?!?)))))
phyllis - 16. August, 11:12
Warten II
phyllis - 16. August, 11:09
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schneck08 - 13. August, 19:58
Soll ich ihn
noch schnell reinmalen??
phyllis - 13. August, 17:39
Und wenn's so volle ist,...
Und wenn's so volle ist, immer auch bisschen den Notausgang im Blick haben.
schneck08 - 13. August, 10:04


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Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober, 14:53

TT’s Favoriten:: Beste Texte - Gewebeproben

Flirt du jour, Episode 8


Dezember. Sonnenschlitze auf der Wand.
Für die Dauer einer Zigarette verharrt ihr in Schweigen, obwohl keiner von euch raucht.
Ihr seid sediert.
Lispelnde Nervenenden. Die Haut unter deinem Schamhaar zieht den Schweiß wieder ein.
Alles ist warm. Doch bereits während deine rechte Hand noch einmal die Konturen ihrer Brüste entlangstreicht,
während sie lächelt und sich den Zeigefinger leckt, um den Kajal unter ihren Augen abzuwischen,
tritt euer Gedächtnis in Kraft und ihr verliert die Gegenwart.
Langsam grasen eure Sucher auf der Fülle des Erlebten.
Einzeln.
Und die Liebe nimmt ihren Lauf.


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643 reads

Speed Dating für Fortgeschrittene

Wirst du harmlos, wenn du dich von anderen positiv vereinnahmen lässt oder andere bei dieser Praxis beobachtest? Was machst du mit deinen gesellschaftlich nichtkompatiblen Persönlichkeitsanteilen?
Wann hast du gemerkt, dass es Kontingente von Gefühlen, Erfahrungen, Möglichkeiten gibt – anstelle sich immer erneuernder Energien? Wer darf dir sagen, was Sache ist?
Wer gehört zu deinem Rudel? Worauf bist du geeicht, abgesehen von der Konditionierung auf Dominanzgesten und Unterwerfungsrituale?
Was geschieht, nachdem man in seine Behauptungen hineingewachsen ist? Was machst du, um deine Sexualität ebenso bedacht auf deinen Organismus abzustimmen wie deine Ernährungsgewohnheiten?
Oder deinen Schlaf? Gehst du zu Versammlungen und wenn ja, wer von dir geht hin?
Was tust du, wenn dein Autopilot ausfällt? Hast du eine Blackbox? Wer soll sie finden, wenn du abstürzt? Schenkst du mir ein Paradox? Wie oft spritzt du am Tag?
Darf ich dir in die Parade fahren und wenn ja, wie deutlich?
Wer frisst deinen Frust? Was passiert, wenn du dich mit einer Sache anfreundest, anstatt dich mit ihr abzufinden? Wann ist mein Bild in dir fertig? Wer bespricht dich adäquat? Wer läuft neben dir auf der Suche nach der verlorenen Zeit? Wer macht sich zum Chronisten deines Lebens, damit du nicht in Vergessenheit gerätst?
Was, wenn es niemand tut?
Wer belohnt deine Abgrenzungsversuche?
Warum tun wir uns alle so schwer mit Entgrenzung? Werden Fragen inflationär, wenn man sie aneinander kettet? Wie erkennst du die Gunst der Stunde? Auch sexuell? Wie erfindest du eine Versuchsanordnung, ohne ihre Auswertung gleich mitzudenken? Wann befreien wir die Verdrossenheit von der Politik?
Wer von uns beiden erzählt mal was Schönes zum Orgasmus? Was passiert, wenn uns mit den Jahren die Kraft ausgeht, etwas Eigenes zu wollen?
Wer beschreibt deine Freude, ohne sie zu seiner eigenen zu machen? Wessen Liebe hat sich zu dir nur verirrt? An wessen Schweiß bricht dein eigener heute Nacht aus?
Wer bestimmt die Reihenfolge meiner Fragen? Welche Rituale brauchst du, um aus der Reihe zu tanzen? Wie tröstest du eine Frau? Warum können nur Kinder ungestraft Geheimnisse in die Welt setzen? Wie viele riskante Fragen musst du mir mindestens hinwerfen, um dich zu spüren?


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686 reads

Bettelfische

Und morgens, rücklings bei Ladybird auf der Holzterrasse, während die Meisen in den Ästen der alten Kiefer herumpiepen, zu deren knorrigen Ästen man, atmend (heute mit "ocean-breath", für die Eingeweihten), aufblickt; dazu die zwölf (In Zahlen: 12) Goldfische im Teich, von denen man nicht viel mehr weiß, als dass sie Bettelfische sind, weil sie immer angeflutscht kommen, kaum, dass man unten an die Teichkante tritt, sie kommen pulkweise und schwappen und reißen erstaunlich große, innen rosafarbene Mäuler auf, auf dass man etwas hineintue, wofür nur das Einmachglas zu öffnen ist, das dort immer bereitsteht, hernach hineinzugreifen und ein Händchenvoll Flocken herauszu, die wie ein Rieselwind von oben in die schaukelnden Mäulchen,
während plötzlich diese Brise,
und Ladybird verabreicht in Sri Lanka handgefertigte, freundliche Hosen, denn Yoga wird nicht einfach gemacht, sondern praktiziert, das geht entweder ganz nackend oder in weichstem Gewebe
(der > Wirklichkeit)
und die Fingerspitzen am Holz, während wer sich vom Aste aufschwingt mit leichtem Flügelschlag (nein, nicht die Seele, ein Fink ist's)
doch ich ihm hinterher (feinstofflich betrachtet)
während der Körper einmal nicht (gottlob) irgendwas will, Hunger Pippi Durst, oder Ziepen hat irgendwo, des Körpers Verfassheit also einfach nur wohlwollend, einen Moment lang (kaum zu fassen: wohlwollend!)
und ocean breath (!) mittenmang der hessischen (!) Vogelwelt, gell, von den Insekten ganz zu schweigen:
frag' einer bitte keiner nach der Ameisenstraße, die Ladybird seit Tagen argwöhnisch in der Küche beobachtet, von draußen durch die Kachelritzen schnurgeradewegs ins Schlaraffenlad ihres dreifach segmentierten Mülleimers ziehen ordentliche Kolonnen,
frag' auch niemand nach dem REIHER, der schon siebenbisachtmal alle Fische gefressen, nein, heruntergeschlungen haben soll, ihren Klagen zufolge,
während doch alle aus der dunklen, dunklen Tiefe des Gewässers irgendwann (bis auf den dicksten, dreizehnten, doch das ist auch der älteste gewesen und vielleicht an Altersschwäche(...?)...) wieder quicklebendig zum Betteln heranschwimmen, sobald wir, schlaff und wehrlos glücklich (sagte letztens ein Kursteilnehmer, im Ernst, "wehrlos glücklich" sei er nach meinem Kurs!), also wir runter zum Wasser, halberleuchtet ins Konservenglas greifen,
Futterwind machen,
lachen,
und wirklich einen Augenblick lang vergessen, was wir eigentlich gewollt haben sollten






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1763 reads

Anfechtungen

Im Atelier direkt über dem meinigen singt ein junger Mann: nicht sonderlich gut, aber inbrünstig. Es wird einer der Maler sein, oder ein Bildhauer. Jene, die aufgrund ihrer Sangeskünste ein Stipendium innehaben, proben meistens zu zweien in den Räumen am Ende des Korridors, die sind mit einem Klavier ausgestattet.
Der Korridor ist lang, sehr lang, und gesäumt von Holztüren, auf denen jeweils ein kleines Messingschild prangt mit dem Namen des Landes, welches das Atelier und das Stipendium bezahlt. Manchmal ist es auch eine Stiftung. Oder etwas ganz anderes. Auf meiner Tür, beispielsweise, steht:

Atelier François Preziosi
Tombé en mission le 17. Août 1964

Ich habe nachgelesen. François Preziosi. Ein italienischer UNHCR Mitarbeiter der International Labour Office. 1964 verlor er sein Leben bei dem Versuch, ruandische Flüchtlinge im Ostkongo zu beschützen.
Ein merkwürdiges Gefühl, in einem Atelier zu wirken, das mit dieser Geschichte verknüpft ist. Fast wie ein Hinweis.
Wie fühlte es sich in mir an, würde ich „arbeiten“ durch „wirken“ ersetzen? Schwing Dich auf, dann kommt auch Wind, flüstert eine Stimme in meinem Kopf. Klingt nach Sanssourir.

Ateliers sind Krisenräume. Wenn eine Stimme etwas anderes behauptet, muss sie künstlich hinzugefügt sein. Keine von meinen.

Alles, was von außen kommt, ist gut.
Alles, was von außen kommt, ist verfälscht.
Für das, was zählt, gibt es kein dictionnaire.
Aber die Mauern.
Dahinter zu sein.
Ich zweifle an mir wie am ersten Tag.
Es gibt einen interessanten Unterschied zwischen authentisch und ehrlich. Irgendwann werde ich ihn herausfinden. Man kann, und das ist wirklich eine große Erkenntnis für mich, nicht alles nachschlagen.

Inbrünstig die Hitze von beiden Seiten; am Tage ganz gewellt. Die Nächte hingegen legen sich wie Lappen übers Gemüt, drücken es flach, sehr sanft, wie ein zum Trost für den Geist ausgelegtes Tuch.
Wenn ich erwache, ist es immer schon hell.

Während wir in den Tag gleiten, sind wir noch alle beisammen, Farah, Sanssourir, Sha’ und ich, erst nach dem ersten Cafe au lait übernimmt eine von uns die Führung. Sha’ indes nicht, sie ist die einzig Abhängige, deswegen spreche ich nicht von ihr. Das verschafft ihr etwas Freiheit.

Er singt nicht mehr.
Etwas hat ihn gepackt, an den Tisch, die Staffelei geführt. Vielleicht liegt er auch auf dem alten, schwarzgrünen Linoleumboden, der sich durchs ganze batiment zieht: gebügeltes Wachs. Kann sein, er hechelt in der Hitze und vom Singen. Ich werde ihn nie kennen lernen. Ich lerne hier niemanden kennen, meide die Künstler im Haus, spreche nur mit Menschen auf der Straße. Berichte aus anderen Krisenräumen? Das fehlte mir noch. Doch eines Abends, gegen Ende hin, werde ich die Tür meines Ateliers öffnen. Ich werde sie mit einem Zettel versehen, auf dem steht:
Venez me voir.

Wer sich dann traut, ist mehr als willkommen. Bis zu diesem Tag indes vergehen noch welche: an denen das gellende Licht wie ein Bulldozer auf die Fassade knallt, durch die ältlichen Scheiben meiner langen Fensterfront, durch meine Poren und mein Fleisch bis ganz tief hinein. Endlich hell von innen. Die Organe sieden feucht vor sich hin.
Ha, eine Wiese, ein Meer! Was tu ich nur? Was ficht mich an, mir ein heißes Stück Metall auf den Schoß zu legen?


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1828 reads

Kippen Frauen anders

Ob sie „unsichtbar werden“. Wiederholt schon begegnete mir diese Behauptung. Frauen, alternde, über die fünfzig hinaus, würden unsichtbar in den Augen der Männer. (Echt? Ist das so, Ihr Männer draußen?)
Sagte eine im Tatort. Niemand widersprach. „Zwischen vierzig und fünfzig“, hieß es dort auch, „kippen die Frauen“.
Bullshit. Kein Bullshit? Irgendwer lacht hell auf. Ich bin’s nicht.
Veränderungen wahrnehmen. Ich könnte schwören, dass gerade eben noch Jetzt war, doch etwas ist anders.
Anders.
Je länge ich starre, desto unheimlicher wird mir das Wort.
Manchmal denke ich, mir entgleitet so viel, so rasch, ins Anders, dass es irgendwann nur noch Extreme für mich geben wird: Berstend vor Worten oder komplett sprachlos. So fühlt es sich an, mein Leben; dazu dieses Knickknack im Nacken, wenn ich den Kopf nach hinten lege, um es zu schlürfen.

Der Unterschied zwischen Jetzt und Danach: den zu spüren. Ob es ihn gibt? Jetzt: Eine Seite vollzuschreiben. Danach: eine Seite zu lesen. Was ist zwischendrin geschehen? Wie kann man überhaupt leben? Oder wird man nur gelebt, alles nur Instinkt, Reflex, Anziehung, Zurückweisung? Ich wollte, bis ich fünfzig wäre, eine Art von Können erlangt haben. Nun, das Einzige, was mich noch daran hindert, ist das Anders in meinem Kopf. Es sagt: „Ja, wenn...“

Damit steht und fällt die Selbstkonzeption. Niemand von Außen kann sie aufrichten, solange das Ja, wenn sie zu Boden drückt. Die alternden Frauen vom Tatort, der Spiegel-Kolumne, was-weiß-ich, die alternden Frauen von überall: die lassen mich nicht los. Komisch.
Und eben läuft mir die Frage zu, wie das wohl ist. In der Außenwahrnehmung: Wie das wohl wäre, wenn sich hinter der konzilianten (meist) Frau, die ich hier präsentiere, hinter diesem hübschen, getupften, tageslichttauglichen Schirm das unverputzte Anders zeigte, mit dem ich so gerne hinterm Berg halte. Was, wenn ich Zeit zeigen würde.

(Welch himmelweiter Unterschied zwischen der Sehnsucht, dazu zu gehören, und dem Zwang, dazugehören zu müssen.
Andere schreiben besser als ich:
Andere schrieben anders als ich:
Ich schreibe besser als andere:
Je mehr man mit Wertungen herumspielt, desto behaupteter fühlen sie sich an. Wie Schrott, letztendlich.)

Der Fluss! Vielleicht ist der Fluss wichtiger als alles andere. Das Sich Gehen Lassen. Wir müssen uns verhalten. Gegenüber der Angst vor der Zeit. Wir sind keine Herde Fluchttiere, keine alternden Frauen oder triebgesteuerte Männer. Was wäre, wenn
wir alle Zuweisungen als eine Fiktion von unendlich vielen möglichen betrachteten, was wäre dann. Ich bin zum Henker, nicht das, was man mir in den Mund legt. Oder ins Hirn.

Vielleicht ist die Vorstellung, irgendetwas, und sei es Jugend, behalten zu können, zu wollen, schon ein zu großes Eingeständnis, nein, Zugeständnis an die Gegebenheiten. Man vergegenwärtige sich nur einmal das Wort „Gegebenheiten“! Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, gelobt sei der Herr.
(Na, mal abgesehen davon, dass Gott damit nix, aber auch rein garnix zu tun hat, ob wer was hat und wer was genommen kriegt.)
Wie hell es werden könnte.
Wie, wenn man mal den ganzen Tag keinen Stuhl verwendete, auf dem Boden säße, wenn man mal eine ziemliche Weile nichts äße, sich das Haar samt Augenbrauen abrasierte, was, wenn es künstliche Schmuckfalten fürs Gesicht gäbe, dazu niedliche Silikonspeckrollen zum Umbinden und kleine, leuchtend gefärbte Haarbüschel für die Ohren, was, wenn wir uns hinausschöben, an den Konsensgrenzen vorbei, vorbei an zweifelnd hochgezogenen Augenbrauen und don’t kill the messenger und den Kaufläden der Normgesellschaft, zum Mond hin heulend, wenn wir stärker wären als alle
Anschauhuhuuung


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2074 reads

Nulltoleranz

Nichts erklären, nichts entschuldigen. Keine Defizitlisten. Keine Indiskretionen. Keine Hinweise auf mangelnde Supervision, kein feiger Ruf nach dem Korrektiv. (Oder Kollektiv.) Keine Übersprungshandlungen, keine PMS-induzierten Einkaufsorgien, keine Verspannungen ignorieren, keine Gebete an importierte Göttinen und Götter.
Kein Schmu.
Keine Lapalien, Flausen, Gickeligkeiten, keine dem Alter unangemessenen Frisuren/Schleifchen/Volants. Kein Singsang. Keine atypischen Signale, Stilbrüche, keine Fragmentierung. Kein Schnee. Kein Zusammenhangklammern und/oder Kontextfetischismus. Keine Liebesdienste, handshakes, kein quid pro quo - Hecheln. Kein Mehrwertwarten. Keine German Angst. Keine Proportionsverweigerung, kein gerüttelt Maß, keine Verschnittakzeptanz. Keine Labberliebe, Hokuspokushoffen, Dauerbrennerbegehren. Kein Beuteschema, keine Siebenmeilenstiefeletten oder gar Quickstartkickoff.
Keine Reihenfolgenjunkies. (Bloss nicht.)
Keine Drohgebärden und/oder Drohnengeburten. Kein Schmeißfliegenmentaltraining. Keine Güterzüge, keine Güte im Zug. Keine Obdachlos-Ziehung ohne mindestens einen Heimgewinn. Keine Finanzamtsangst. Kein Strategiepapierstau. Keine Depressionskonfiguration. Keine Haie ohne Becken, kein Becken ohne Waschen, kein Waschen ohne Unschuld.
Soweit erst einmal.
Ende der Durchsage.
Wir arbeiten daran.

17:32 Uhr
Kein Listenfimmel.


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Gegendarstellung


Jener, der mir seit je verkündet, die Welt verändern zu wollen: Er meint das. Unnötig zu erwähnen, es wär’ ihm genehm, wenn ich dabei mitmachte.
Warum, frage ich, warum so groß. Verlierst du da nicht den Blick fürs -
Mag sein, raunzt er, aber Kleinklein bringt nichts.
Du meinst, wenn, muss man das ganze Ding ins Auge fassen. Den Planeten.
Yep.

Nun muss erwähnt werden, er bohrt große Bretter; ein Maulheld ist er nicht.
Ich schon. Komplett zufrieden damit, den Rücken der Gesellschaft abzuernten. Wenn mich die Lust packt, beäuge ich, was gerade herumtreibt, Plankton von Handlungen, sauge ein paar Liter davon ein, schwelle auf zu beeindruckender Größe: Mein Talent besteht darin, winzigste Dinge mit Bedeutung zu pimpen, denn, was ist schon eine Tat?
Hm?
Ein Zippeln im Gesellschaftskörper, ein juckender Punkt! Ohne Trara gewinnt sie kaum Fläche.
(Sagt mir, dass ich mich irre.)

Ich mag sie nicht, bemerkt er zu einem anderen Zeitpunkt.
Wen?
Die Ehrgeizigen! stöhnt er. Solang’ sie jung und am Aufsteigen sind, hängen sie dir endlos am Bein. Sind sie älter und glauben, sie könnten es mit dir aufnehmen, versuchen sie, dich mit Flitzegedanken zu blenden, bis du vor lauter Großartigkeit Kopfschmerzen kriegst.
(Mich betreffend hat er sich da nie Hemmungen auferlegt: mit einem mächtigen Hieb soll ich mich durch den Mainstream hauen, den Stahl durchziehen, während rechts und links meiner Schneide die Redundanz wegspritzt)

Wie sollte man denn stattdessen sein, frage ich vorsichtig.
Himmel und Arsch, es gibt schon zu viel Plauderton auf der Welt!, ruft er.
(Weshalb mir immer das Messer in der Hose aufgeht, wenn ich mit ihm zusammen bin? Ratet mal.)

Wettbewerb ist das Benzin der Gesellschaft. Doch wer betreibt die Tanke?

Okay. Ich sag’s Euch.

...Nee.

Hab’s mir anders überlegt.


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Vom Gewebe der Wirklichkeit

... Ein Moment, als ob du ohne nachzudenken an einem kleinen Faden rucktest, der aus der Fassade eines bestimmt über hundert Jahre alten Hauses heraushinge, und überrascht feststelltest, dass da etwas nachgäbe, und vorsichtig weiter zögest, eine Handbreit,
dann noch eine, schließlich hättest du bereits einige Meter beisammen, so dass du anfingest, den Faden zu einem Knäuel aufzurollen und gewahr würdest, dass du mittlerweile dabei wärst, den rechten unteren Fensterrahmen und schließlich den Mörtel zwischen den Backsteinen aufzuribbeln, die restlichen Fenster, die Tür samt Schwelle und die Backsteine selbst.
Ja.
Und wiewohl das alles nicht länger als einen Moment gedauert haben würde, hättest du natürlich bald einen ordentlichen Knäuel.
Du machtest so lange weiter, bis das ganze Gebäude aufgeribbelt wäre, auch die mottenzerfressenen Teppiche im Inneren, das cordbezogene Sofa, die zwei Paar Filzpantoffeln aus dem Schlafzimmer, die Teekanne, der Duschvorhang, einfach alles, und stündest nun vor einer ziemlich riesigen Lücke, wo gerade noch das Haus war. Dann hieltest du inne.
Es wäre immer noch Zug auf dem Faden.

Zustand, Ausstand, Einstand.
Zufluss, Ausfluss, Einfluss.


Wähle den Fluss, nicht den Stand. So beginnst du.


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Die Axt am Boden des Brunnens

So. Da wären wir mal wieder, hm? Draußen nüscht viel los, drinnen umso mehr, Küche wieder sauber, nachdem die Freunde gestern mit dem Kartoffelbrei spielten. Irgendwer hat das übrig gebliebene Eiweiß auf den Steinboden fallen lassen, hie und da glitschte es in den Morgenstunden an unseren Fußsohlen. Vive la Boheme, wenn du meinen Löffel ableckst, leck ich deinen.

(„Was, meinen Löffel?“
„Kannst Du dir aussuchen.“)

Fingernägel kurz wie nie, Schnellschreibkuppen. Eben die hellgraue Jeans von vor zwanzig Jahren anprobiert, die mir Zadok mitgab, als ich nach Deutschland zurückkehrte, passt wieder (jeyi!), voll abgerissen das Teil allerdings. So rotzig kann ich heutzutage nicht mehr rumlaufen, außer vielleicht mit Kaschmir drüber.
Du bist antibürgerlich, sagte ein englischer Journalist letztens in der Sauna, doch nach dem zu urteilen, was seinen Blick bannte, sagte er das zu meinen Brüsten: Ihr zwei seid antibürgerlich. Ich vermute, er meinte indiskret. Was nicht ganz von der Hand zu weisen ist, jedenfalls sind sie offenherziger als andere Stellen. Was jetzt vielleicht nur jene Leserinnen verstehen, die über wirklich große verfügen: Manchmal ist man ihnen schlichtweg nicht gewachsen, hebt sie lustlos durch die Gegend, manchmal amüsieren sie einen, manchmal hängt man wonnig wie in Trance an ihnen dran und versucht einfach nur, Schritt zu halten, während sie auf der Jagd sind, kurz, große Brüste sind ein Abenteuer für sich, doch das nur eben bei. (Klingt besser als nebenbei, nicht wahr.)
Und weiter.
Oder wollen Sie mehr wissen von großen Brüsten.
Na gut, das noch: Man braucht andere Gesten, um sie in den Griff zu bekommen, beherztere vielleicht, immerhin, sie leisten Herausragendes in Sachen Kommunikation, sie lehnen sich, könnte man sagen, ganz schön weit aus dem Fenster (was gelegentlich auch sowas von unpassend sein kann, ahem), insofern (schlage ich vor und beherzige es auch selbst) sollte man sich ein bisschen blinder auf die Natur verlassen, die wird’s schon richten.
Kleinlaut wirkt jedenfalls nicht.
An kleinlauten Tagen, jetzt aus der Sicht der Trägerin gesprochen, hilft nur Oversize und Sonnenbrille. (Die heißen im Englischen übrigens „shades“ und wenn man fünfzig davon gesammelt hat, bekommt man einen echten Softsadisten zum Spielen)
Mei, das läuft heute aber. Muss an den Schnellschreibkuppen liegen.
Doch zurück in die Sauna.

(„Oder?“
„Nö.“
„Ok, dann nicht.“)

Jedenfalls, die Gänse sind weg. Abgehoben in den Süden, der Park leergefegt, dafür jede Menge Krähen und die bleiben auch. Raaahraaa. Ab jetzt wird’s ernst. Ab jetzt, Farah, lass mich eine Weile an Deinem Strang ziehen, während meiner im Wind weht. Denk nur an das kleine, uralte Karussell im Jardin des Plantes, für Monate wird es nun hübsch verpackt ausharren, bis die ersten Spitzen wieder aus dem Boden schieben: Kroküsse wahrscheinlich. Es zerreißt mich jetzt schon, wie

(Aber lass gut sein Farah, ja, lass es gut sein: Ich glaube an Dich. Lass Dich nicht einwintern, Du bist nicht sentimental, im Gegensatz zu mir, Du bist meine Wildnis, mein Zorn, meine Axt am Boden des Brunnens.)

dunkel es werden wird.


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La petite langue automatique

Sabbaticals seien dieser Tage schwer angesagt. Ich würd’ ja soweit gehen und sie vorschreiben, zumindest jenen Individuen, von denen man in Zukunft noch Großes erwartet.
(Also allen. Bin heimliche Idealistin)
Heimlich unbeholfen, heimlich geflissentlich, heimlich barock. Hm, was noch.

Bekennerschreiben Number one, erster Absatz:
Heimlich ist nicht geheim, doch das wisst ihr längst, ihr Blasebacken und Zurechtkalibrierer. Heimlichkeit, das ist die große Schwester der Unschlüssigkeit. She’s a bully, she’ll never let you be the star.

Manches von dem, was ich definitiv weiß, ist so heimlich, dass selbst mir der Zugriff darauf verwehrt bleibt, abgesehen von den paar Sternstunden pro Jahr.

Gerne offenbarte ich mehr, wär’ Öl auf den Maschinen, Wasser auf euren Mühlen, wär’ der Psalm und das Zünglein an der Waage. Grundsätzlich nicht diejenige (zu sein), die aufstemmt, sondern jene, die schon immer drin war.

Harhar. Ich hätt’ gern leichtes Spiel. Gerne auch zu zweit. Donnergrollen auf die, die stets von ihrem Hosenboden aus verkünden, dass nichts Gewicht haben könne, von dem man keine Hämorrhoiden kriegt.
Hey, bleeding guys!
Ich will nicht bluten, jetzt nicht, und später nicht!
Der Hosenboden der Tatsachen ist zerschlissen!
Niemand kann mir noch etwas beibringen, heutzutage. Wir sind alle gleichzeitig, alle Kanäle ausspioniert, alle Geheimnisse entheimlicht.

Ich wünschte nur, jemand würde bieten.
Kontinuität, zum Beispiel: So ziemlich das Einzige, was mir misslingt. An einer Sache dranbleiben. Manchmal denk’ ich, ich bin verhext. So flatterhaft kann doch niemand sein, so verstreut, so erschrocken.

Mein Gehirn wie ein Schwarm Fruchtfliegen: beim geringsten Luftzug stiebt es auseinander. Minutenlang liegt die Frucht dann ohne da, bis der Schwarm wieder landet. Das Unglaubliche, kaum Erträgliche daran ist: Man kann auch im Unintelligenten prima leben. Wenn der Schwarm gerade fort ist, verteilt auf Hunderte Koordinaten, wenn er wieder landet, stibitzt, gewitzt, wenn das Denken zurückkehrt, als wär’ nie was gewesen bis zur nächsten Störung: in allen diesen Zuständen lässt es sich besser als gedacht überleben.

Doch lassen wir das. Ich hab’ eh immer ein schlechtes Gewissen, allein auf der Welt zu sein, ohne Auftrag. Von Instinkten lass’ ich mich nicht beauftragen, von Erwachsenen ebenfalls nicht, weder von Gott noch von der Evolution, was bleibt da noch?

Schönschreiben.

Das Gefühl, wenn sich 478 Fruchtfliegen von einem gemeinsamen Schreck erholen. Stellt euch vor, wie sie wieder landen, alle 487 Stück. Dabei war’s auch ohne Hirn schön, zumindest das Schreiben. Und so unpolitisch.
Angesichts der Weltlage. Sie verstehen.





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