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Unvergessen

Unvergessen:

Der Kaiser und Spätstoiker Marc Aurel, geboren 121(!) nach Christus.
Weil ich in seiner Schrift "Selbstbetrachtungen" das Konzept der multiplen Persönlichkeit vorgefunden habe. Und da der Kaiser meiner Aneignung nicht mehr widersprechen kann, lest mal diesen Auszug:

... "Was für einen Gebrauch mache ich eigentlich jetzt von meiner Seele? In jedem Einzelfall sollte man sich danach fragen und darauf prüfen: Was geht jetzt in diesem Teile von mir vor, den man den herrschenden nennt, und was für eine Seele habe ich zur Zeit? Doch nicht die eines kleinen Kindes, eines unreifen Knaben, eines schwachen Weibes oder die eines Tyrannen, eines Haus- oder Raubtieres?"

(Na ja, die Sache mit dem schwachen Weib müssen wir ihm durchgehen lassen)

Sehr interessantes Buch auf jeden Fall. Kurze Gedankenpäckchen, man kann einfach irgendwo aufschlagen und loslesen. Insgesamt geht es ihm um den Willen der "Weltvernunft", den man bejahend in den eigenen aufnehmen möge. Muss beruhigend sein, daran zu glauben, dass die Welt eine übergeordnete, von unseren Bemühungen unabhängige Qualität von Vernunft besitzt.

unvergessen:

- Jean Painlevé, 1902-1989, Surrealist, Enthusiast und Pionier des Unterwasser-Dokumentarfilms, der das Seepferdchen unsterblich machte.
- Dominique Aury, 1907-1998, die unter falschem Namen die skandalöse „Geschichte der O.“ schrieb und erst vierzig Jahre später eingestand, dass sie es gewesen war. (Gefragt, gab die alte Dame überdies zu, dass auch ihr jetziger Name ein Pseudonym sei)
- Marguerite Duras, 1914-1996, eigensinnige Schriftstellerin, deren Lust an der Provokation Zeit ihres Lebens ungebändigt blieb. „Die meisten Laster sind Tugenden, die sich nicht voll entfalten können.”

Demnächst

wird hier eine neue Rubrik entstehen.
Sie heisst "Unvergessen:" und enthält Namen ausgewählter Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts. Ein kurzer, subjektiver Satz wird jeweils erläutern, warum sie ausgewählt wurden.
Mir gefällt die Idee, Gegenwart zu verdichten, indem ich interessante Details aus vergangenen Lebensläufen aufspüre und sie ins Jetzt bringe. Als Erinnerung daran,
wie sehr das Verstreichen von Zeit darüber hinwegtäuscht, dass alles gleichzeitig ist.
Dranbleiben!

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